Die sehr respektlosen Ansichten des Bernd H.Reinhardt
Wie kommt man eigentlich auf die angeblich „irre“ Idee, sich ausgerechnet mit menschlicher Dummheit zu beschäftigen?
Die kurze Antwort: weil man Gesellschaft verstehen will. Die längere: weil Dummheit kein Randphänomen ist, sondern eine strukturelle Kraft.
Die Auseinandersetzung mit menschlicher Dummheit ist kein Ausdruck von Arroganz oder Überheblichkeit. Sie ist das Gegenteil davon. Wer sie ernst nimmt, verabschiedet sich von der bequemen Illusion, selbst automatisch auf der richtigen Seite zu stehen. Dummheit betrifft nicht „die anderen“. Sie ist sozial verteilt, kulturell eingebettet, psychologisch stabil – und sie macht vor Bildung, Intelligenz oder moralischem Anspruch nicht halt.
Dummheit ist nicht schlicht mangelnde Intelligenz. Sie zeigt sich in Ignoranz, in systematischer Denkfaulheit, in der Weigerung, aus Fehlern zu lernen, und besonders in der aggressiven Abwehr von Einsicht. Diese Formen sind gefährlich: in der Politik, in den Wissenschaften, in Beziehungen, im Alltag. Wer Dummheit nicht analysiert, ist ihr ausgeliefert – oder reproduziert sie, während er sich für aufgeklärt hält.
Ein Blick in die Geschichte genügt: Kriege, Umweltzerstörung, ökonomische Katastrophen entstehen selten nur aus Bosheit oder Gier. Sie entstehen aus kollektiver Kurzsichtigkeit, aus Selbstüberschätzung, aus dem hartnäckigen Leugnen offensichtlicher Risiken. Dummheit ist oft beharrlich, selbstgerecht, laut – und erstaunlich ansteckend. Wer sie nicht erkennt, kann ihr nichts entgegensetzen.
Sich mit Dummheit zu beschäftigen heißt daher vor allem, sich mit den eigenen Denkfehlern auseinanderzusetzen. Mit Bestätigungsfehlern, moralischer Selbstentlastung, Scheinkonsensen. In Zeiten von Fake News, Verschwörungserzählungen und digitaler Dauererregung ist diese Arbeit keine akademische Spielerei, sondern eine Überlebenskompetenz.
Dieser Blog folgt dabei keiner pädagogischen Illusion. Die Analyse menschlicher Dummheit ist kein Akt der moralischen Belehrung. Sie ist eine Zumutung. Sie schont niemanden – auch den Autor nicht.
Respektlose Ansichten ist deshalb kein wissenschaftlicher Blog, auch wenn er sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt. Er ist kein journalistischer Blog, auch wenn er faktenbasiert arbeitet. Er ist ein philosophischer Blog im ursprünglichen Sinn: argumentativ, analytisch, widerständig. Hier geht es um Einspruch, nicht um Konsens.
Zu mir:
Studium Kulturwissenschaften, Hauptfach Philosophie, Mitglied der Gesellschaft für Analytische Philosophie, arbeite logisch statt gefühlsbetont und schreibe als Blogger respektlos, aber auch mit der Absicht, Menschen zum Denken anzuregen - in ihrem Interesse. Logik ist für mich kein Stilmittel, sondern ein Werkzeug gegen Selbstbetrug.
Was hier steht, sind daher Ansichten, keine Gewissheiten.
Und wenn sie Widerspruch hervorrufen, umso besser. Dann erfüllen sie ihren Zweck: nicht zu trösten, sondern zum eigenständigen, kritischen Denken zu zwingen.
Wer Bestätigung sucht, wird hier nichts finden.
Wer denken will, vielleicht schon.