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Warum Staaten unvorbereitet in den Krieg stolpern – Kognitive und logische Ursachen politischer Fehlentscheidungen in der Verteidigungspolitik

  • breinhardt1958
  • 3. Jan.
  • 8 Min. Lesezeit

Zeitenwende ohne Strategie – deutsche Verteidigungspolitik im Realitätscheck

Satirische Illustration zur deutschen Verteidigungspolitik nach dem Ukrainekrieg: Zeitenwende zwischen Bürokratie, Zögern und Realitätsverlust

Verteidigungspolitische Fehlentscheidungen wirken im Rückblick oft absurd. Zu wenig Munition, marode Ausrüstung, unrealistische Einsatzkonzepte, Abhängigkeiten von fragwürdigen Partnern – und das alles angeblich „nicht vorhersehbar“. Doch das ist eine bequeme Legende. Die relevanten Informationen lagen fast immer auf dem Tisch. Was fehlte, war nicht Wissen, sondern rationales Denken unter politischen Bedingungen.


Die Ursachen liegen weniger in technischer Inkompetenz als in systematischen Denkfehlern, institutionellen Anreizen und psychologischen Verzerrungen. Verteidigungspolitik scheitert selten an mangelnder Intelligenz – sondern an vorhersehbarer menschlicher Kognition.


1. Friedensverzerrung: Wenn Abwesenheit von Krieg als Beweis für Sicherheit gilt

Einer der grundlegendsten Denkfehler ist die Extrapolation der Gegenwart in die Zukunft. Jahrzehnte relativer Stabilität führen zur stillschweigenden Annahme, dass diese Stabilität der Normalzustand sei.


Kognitionspsychologisch handelt es sich um einen Normalcy Bias: Menschen unterschätzen systematisch die Wahrscheinlichkeit extremer Ereignisse, wenn diese längere Zeit ausgeblieben sind. In der Verteidigungspolitik äußert sich das so:

  • Bedrohungen werden als „theoretisch“ abgetan

  • Abschreckung wird für überholt erklärt

  • militärische Fähigkeiten gelten als Relikte vergangener Epochen


Frieden wird nicht mehr als fragiler Zustand verstanden, sondern als moralischer Endpunkt der Geschichte. Das ist keine Analyse – das ist Wunschdenken mit Etat.


2. Moralische Substitution von Strategie

Ein besonders fataler Fehler moderner Verteidigungspolitik ist die Verwechslung moralischer Haltung mit strategischer Wirksamkeit.


Statt zu fragen:

Was schreckt Gegner tatsächlich ab?

wird gefragt:

Welche Position fühlt sich normativ richtig an?

Das Ergebnis ist symbolische Politik:

  • Abrüstungsrhetorik ohne Gegenleistung

  • „Zeichen setzen“ statt Fähigkeiten aufbauen

  • Vertrauen in internationale Normen ohne Durchsetzungsmechanismen


Logisch handelt es sich um einen Kategoriefehler: Moralische Urteile beantworten nicht dieselbe Frage wie sicherheitspolitische Analysen. Wer glaubt, dass das eigene Wertegerüst den Gegner bindet, begeht einen klassischen Projection Bias – er unterstellt anderen Akteuren dieselben normativen Prioritäten wie sich selbst.


3. Gruppendenken: Wenn Konsens wichtiger wird als Wahrheit

Verteidigungspolitik entsteht in Ministerien, Ausschüssen, Thinktanks und internationalen Gremien – also in Umgebungen, die anfällig für Groupthink sind.


Typische Symptome:

  • Abweichende Einschätzungen gelten als „unsolidarisch“

  • Kritische Analysen werden als „alarmistisch“ diskreditiert

  • Experten widersprechen der politischen Linie nicht mehr öffentlich


Irving Janis beschrieb Groupthink als Zustand, in dem Kohärenz höher bewertet wird als Realität. In der Verteidigungspolitik ist das besonders gefährlich, weil Fehleinschätzungen nicht nur Reputationen, sondern Menschenleben kosten.


Der Preis für Dissens ist hoch – der Preis für Irrtum wird externalisiert.


4. Ökonomischer Kurzfristismus und politischer Zeithorizont

Politische Entscheidungsträger denken in Wahlzyklen, Verteidigungsplanung in Jahrzehnten. Diese strukturelle Asymmetrie erzeugt systematische Fehlentscheidungen.


Psychologisch wirkt hier der Present Bias:

  • kurzfristige Einsparungen wiegen schwerer als langfristige Risiken

  • sichtbare Sozialausgaben schlagen unsichtbare Sicherheitsvorsorge

  • Verteidigungsfähigkeit wird erst relevant, wenn sie bereits fehlt


Rational betrachtet ist Unterinvestition in Verteidigung eine Wette gegen die Zukunft. Politisch ist sie attraktiv, weil die Kosten sofort sichtbar sind – der Nutzen aber abstrakt bleibt. Sicherheit ist das klassische unsichtbare Gut: Man merkt erst, dass sie fehlt, wenn es zu spät ist.


5. Technologischer Solutionismus

Ein weiterer Denkfehler ist der Glaube, komplexe sicherheitspolitische Probleme ließen sich durch Technologie „lösen“.


Drohnen, Cyberfähigkeiten, KI-gestützte Systeme – all das wird gerne als Ersatz für klassische militärische Strukturen verkauft. Doch Technologie ersetzt keine:

  • Logistik

  • industrielle Kapazität

  • personelle Resilienz

  • strategische Planung


Hier wirkt der Technological Fix Bias: die Annahme, dass neue Werkzeuge strukturelle Probleme automatisch beheben. Verteidigungspolitik wird so zu einer PowerPoint-Übung – beeindruckend auf Folien, ernüchternd im Ernstfall.


6. Verantwortungsdiffusion und institutionelle Nebelkerzen

Fehlentscheidungen in der Verteidigungspolitik haben selten klar benennbare Urheber. Zuständigkeiten sind verteilt, Prozesse fragmentiert, Verantwortung verdunstet.


Das erzeugt:

  • geringe persönliche Haftung

  • minimale Lernprozesse

  • Wiederholung derselben Fehler


Psychologisch handelt es sich um Diffusion of Responsibility. Jeder war beteiligt, aber niemand verantwortlich. Politisch wird das durch Untersuchungsausschüsse simuliert, deren wichtigste Funktion nicht Aufklärung, sondern Vergessen mit Protokoll ist.


7. Die Illusion der Kontrollierbarkeit internationaler Akteure

Viele Fehlentscheidungen beruhen auf der Annahme, dass Konflikte rational moderiert und eskalationsfrei „gesteuert“ werden können. Das setzt voraus, dass alle Akteure:

  • dieselben Kosten-Nutzen-Kalküle teilen

  • interne Zwänge transparent machen

  • Eskalation vermeiden wollen


Diese Annahme ist empirisch nicht haltbar. Sie beruht auf dem Rational-Actor-Fantasma, das reale Machtpolitik systematisch unterschätzt. Staaten sind keine Excel-Tabellen, sondern Organisationen mit Ideologien, Innenpolitik, Machtkämpfen und Prestigeinteressen.


Fazit: Verteidigungspolitische Fehlentscheidungen sind kein Zufall

Politische Fehlentscheidungen in der Verteidigungspolitik entstehen nicht durch mangelnde Informationen, sondern durch vorhersagbare Denkfehler in einem System, das falsche Anreize setzt und unbequeme Wahrheiten bestraft.


Wer Verteidigungspolitik verbessern will, braucht weniger Moralrhetorik und mehr:

  • kognitive Selbstkritik

  • institutionalisierte Dissensräume

  • langfristige Verantwortung

  • logische Trennung von Wunsch und Wirklichkeit


Oder anders gesagt:

Nicht der Krieg ist das Versagen der Politik – sondern die Illusion, man könne Sicherheit denken, ohne unangenehm zu werden.


Beispiel: Deutschland nach dem Ukraine-Krieg


Der russische Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 war für Deutschland ein politischer Schock wie lange keiner mehr. Was folgte, war der Versuch, einen Paradigmenwechsel in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik umzusetzen – und zugleich ein Lehrstück unerledigter Denkfehler. DGAP


Februar 2022: Die „Zeitenwende“ – rhetorischer Paradigmenwechsel

Nur drei Tage nach Kriegsbeginn, am 27. Februar 2022, erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz im Bundestag die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik für grundlegend verändert – die berühmte „Zeitenwende“. Damit sollte eine Abkehr von der jahrzehntelangen Zurückhaltung markiert werden und signalisiert, dass Deutschland seine Verteidigungsfähigkeit modernisieren und die Ukraine unterstützen wolle. DGAP


Kognitive Verzerrung daraus:

Zu Beginn war sichtbar, wie sehr Normalcy Bias und historisch gewachsene pazifistische Reflexe jahrelang deutsche Verteidigungspolitik geprägt hatten – erst ein externer Schock schuf politischen Mut für ein Umdenken. Gleichzeitig blieb das ursprüngliche Versprechen, rasch und substanziell aufzurüsten, vage formuliert.


März – Dezember 2022: Zögerliche Waffenlieferungen – Kehrtwenden und Widersprüche

Anfangs war die Bundesregierung zögerlich bei Waffenlieferungen: lange Diskussionen über schwere Waffen, intern widersprüchliche Aussagen. Erst nach politischem und medialem Druck stimmte Berlin der Lieferung von Luftabwehrsystemen, Panzerabwehrwaffen und schließlich Flugabwehrpanzern vom Typ Gepard zu. DIE WELT+1


Scholz selbst twitterte nach seiner Kehrtwende: „Der russische Überfall markiert eine Zeitenwende … es ist unsere Pflicht, die Ukraine bei der Verteidigung zu unterstützen.“ DIE WELT


Politische Fehlentscheidung = kognitive Verzerrung:

Hier zeigt sich Groupthink und politische Risikoscheu: anfängliche Ablehnung und defensive Rhetorik, nur um später durch externe Argumente und Druck revidiert zu werden. Statt klare strategische Parameter vorzugeben, wurde improvisiert – ein klassisches Beispiel für Inkonsequenz in komplexer Entscheidungslogik.


2023: Öffentliche Debatten, strategische Unschärfen und das Fortbestehen historischer Hemmnisse

Im Laufe des Jahres 2023 kam es zu einem offenen Streit über den Umfang und die Art der Unterstützung. Es bildete sich eine breite öffentliche Debatte: Manche warfen Scholz lange Verzögerungen vor, andere sprachen von überstürzter Kriegsbeteiligung. Die Meinungspolarisierung wurde sichtbar, begleitet von Forderungen, Deutschland solle sich stärker engagieren oder sich komplett heraushalten. Reddit


Kognitionspsychologisch relevant:

Die öffentliche Debatte war ein Spiegel des politischen Kurzfristdenkens (Present Bias) – politische Akteure richteten Entscheidungen nach öffentlicher Wahrnehmung und medialer Windrichtung aus, statt nach langfristiger strategischer Analyse.


2024: Zeitenwende bleibt Konzept, reale Umsetzung schleppend

Im Jahr 2024 zeigte sich, dass die Zeitenwende vor allem ein rhetorisches Ereignis war: Zwar wurden Unterstützungs- und Modernisierungszusagen gemacht, doch der „normale“ Verteidigungsetat stagnierte und die Umsetzung zog sich. Deutschland unterstützte die Ukraine zwar finanziell und militärisch, aber es wuchsen Zweifel, ob die Modernisierung der Bundeswehr wirklich vorankommt. European Council on Foreign Relations


Ein weiterer zentraler Punkt war die Debatte um ein eigenes nationales Sicherheitskonzept und organisatorische Reformen – etwa die Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrats –, die jedoch immer wieder durch Koalitionsstreitigkeiten blockiert wurden. Reddit


Denkfehler sichtbar:

Das widerspiegelt eine strukturelle Diffusion von Verantwortung und mangelnde institutionelle Kohärenz. Statt klare Prioritäten zu setzen, funkeln Interessenkonflikte und diffuse Zieldefinitionen.


2025 – heute: Von großen Versprechen zur Realität – Expansion und Herausforderungen

2025 und 2026 standen bzw. stehen im Zeichen von:

  • Großem Rüstungsbeschaffungsprogramm: Der Bundestag verabschiedete im Dezember 2025 ein historisch großes Paket von rund 52 Mrd. € für Rüstungsaufträge, um strukturelle Fähigkeitslücken zu schließen. Defense Magazine

  • Dauerhafte NATO-Stationierung: Deutschland stationierte erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg dauerhaft ein Panzerbrigade-Kontingent in Litauen als Teil der NATO-Ostflanke. Der Guardian

  • Erhöhung der Ukraine-Unterstützung: Für 2026 plant die Bundesregierung, ihre finanzielle und militärische Hilfe für die Ukraine um weitere etwa 3 Mrd. € zu erhöhen und insgesamt rund 8,5 Mrd. € bereitzustellen. Reuters

  • Politische Neujustierungen: Neu gewählte Führung unter Kanzler Friedrich Merz intensivierte die Unterstützung der Ukraine und forderte Europas Selbstbehauptung – inklusive Ausbau der Verteidigungsfähigkeit. Reuters

  • Rüstungsexportveränderungen: Im Jahr 2025 sanken deutsche Rüstungsexporte in die Ukraine deutlich – was teils mit bereits erteilten Genehmigungen und strategischer Geheimhaltung erklärt wird. DIE WELT


Analyse – Wo kognitive Verzerrungen zu Fehlentscheidungen führten

1. Normalcy Bias und historische Zurückhaltung

Deutschlands lange Verteidigungskräfte-Schwäche war kein Geheimnis vor 2022. Doch weil jahrzehntelang Frieden als natürlicher Zustand galt, wurde die strukturelle Schwäche als risikolos interpretiert – bis der Krieg diese Illusion zerstörte.

2. Moralische Rhetorik statt strategischer Klarheit

Die „Zeitenwende“ war stark normativ aufgeladen, aber inhaltlich offen – ein klassischer Fall, in dem moralische Sprache strategische Präzision ersetzt.

3. Gruppendruck und politische Polarisierung

Kontroverse innerhalb der Regierungskoalitionen und der Gesellschaft führte zu Verzögerungen und teilweisen Zickzack-Entscheidungen – ein Beispiel für Groupthink gekoppelt mit politischem Opportunismus.

4. Fokus auf kurzfristige Akzeptanz statt langfristiger Planung

Politische Akteure orientierten sich oft mehr an öffentlicher Zustimmung und Wahldynamiken als an langfristig belastbaren sicherheitspolitischen Modellen.

5. Diffusion von Verantwortung

Weil Entscheidungen über viele Akteure gestreut wurden – verschiedene Ministerien, Koalitionspartner, externe Beratungsstellen –, gab es selten eine klare Verantwortungsinstanz, was Wiederholungen von Fehlern begünstigte.


Fazit:

Die deutsche Verteidigungspolitik seit dem Ukraine-Krieg zeigt, wie tief kognitive Verzerrungen und politische Logik ineinandergreifen. Die „Zeitenwende“ war historisch – aber ihre Umsetzung war weniger eine stringente strategische Reaktion als eine Abfolge von Reaktionen, die oft erst politische oder mediale Relevanz erzeugen mussten, bevor sie erfolgten.


Politik handelt nicht im luftleeren Raum der Geopolitik, sondern im begrenzten Raum menschlicher Entscheidungslogik. Und dort können Normalcy Bias, kurzfristiger politischer Kalkül und die Angst vor unangenehmen Wahrheiten gravierende strategische Folgen haben – gerade in einem Bereich, in dem Fehler tödlich sind.


FAQ: Politische Fehlentscheidungen in der deutschen Verteidigungspolitik nach dem Ukrainekrieg


Warum gilt die deutsche Verteidigungspolitik nach 2022 als fehleranfällig?

Weil sie jahrzehntelang auf der Annahme beruhte, dass militärische Bedrohungen in Europa unwahrscheinlich seien. Diese Fehleinschätzung – ein klassischer Normalcy Bias – führte zu Unterfinanzierung, strukturellen Mängeln der Bundeswehr und einer politischen Kultur, die Sicherheitspolitik eher moralisch als strategisch verstand.


Was bedeutet die „Zeitenwende“ in der deutschen Sicherheitspolitik konkret?

Die „Zeitenwende“ bezeichnet die Ankündigung eines grundlegenden Kurswechsels in der deutschen Außen- und Verteidigungspolitik nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Konkret versprach sie höhere Verteidigungsausgaben, bessere Ausrüstung der Bundeswehr und mehr Verantwortung innerhalb der NATO – deren Umsetzung jedoch nur schleppend erfolgte.


Warum zögerte Deutschland bei Waffenlieferungen an die Ukraine?

Die Zurückhaltung resultierte aus politischer Risikoaversion, historisch bedingten Hemmungen und Gruppendenken innerhalb der politischen Elite. Statt klarer strategischer Kriterien dominierten Angst vor Eskalation, Koalitionskonflikte und öffentliche Meinungsumschwünge – ein Muster inkonsistenter Entscheidungsfindung.


Welche kognitiven Denkfehler beeinflussten deutsche Entscheidungen besonders stark?

Zentral waren:

  • Normalcy Bias (Unterschätzung realer Bedrohungen),

  • Groupthink (Konsens wichtiger als korrekte Analyse),

  • Present Bias (kurzfristige politische Vorteile vor langfristiger Sicherheit),

  • Projection Bias (Annahme, Gegner teilten westliche Werte),

  • Diffusion of Responsibility (keine klare politische Verantwortlichkeit).


Hat moralische Außenpolitik zu strategischen Fehlentscheidungen geführt?

Ja, wenn moralische Positionen strategische Analyse ersetzt haben. Normative Bekenntnisse sind kein Ersatz für militärische Abschreckung. In der deutschen Verteidigungspolitik wurde Moral häufig als Handlungsersatz genutzt – mit der impliziten Annahme, Werte würden Gegner binden. Das ist empirisch nicht belegt.


Warum blieb die Modernisierung der Bundeswehr trotz Sondervermögen schleppend?

Weil strukturelle Probleme nicht allein mit Geld lösbar sind. Bürokratische Beschaffungsprozesse, fragmentierte Zuständigkeiten, politische Prioritätenkonflikte und fehlende langfristige Planung verhinderten eine schnelle und wirksame Umsetzung der angekündigten Reformen.


Welche Rolle spielte öffentliche Meinung bei sicherheitspolitischen Entscheidungen?

Eine zentrale. Politische Entscheidungen orientierten sich häufig an medialen Stimmungen und Umfragewerten statt an strategischen Erfordernissen. Diese kurzfristige Orientierung verstärkte Zickzack-Kurse und verzögerte notwendige Maßnahmen.


Warum ist Verantwortungsdiffusion besonders problematisch in der Verteidigungspolitik?

Weil sie systematisches Lernen verhindert. Wenn Entscheidungen über viele Ministerien, Koalitionspartner und Gremien verteilt sind, ist niemand eindeutig verantwortlich. Fehler bleiben folgenlos – und werden daher wiederholt.


Hat Deutschland aus den Fehlentscheidungen seit 2022 gelernt?

Teilweise. Die Erhöhung der Verteidigungsausgaben, stärkere NATO-Integration und dauerhafte Stationierungen im Osten zeigen Lernprozesse. Gleichzeitig bestehen viele kognitive und institutionelle Muster fort, die neue Fehlentscheidungen begünstigen.


Was wäre notwendig, um zukünftige verteidigungspolitische Fehlentscheidungen zu vermeiden?

Erforderlich wären:

  • klare strategische Zieldefinitionen,

  • institutionalisierter Widerspruch in Entscheidungsprozessen,

  • langfristige Planung jenseits von Wahlzyklen,

  • Trennung von moralischer Rhetorik und militärischer Analyse,

  • echte politische Verantwortlichkeit.


Warum sind verteidigungspolitische Fehlentscheidungen besonders gefährlich?

Weil ihre Konsequenzen zeitverzögert, aber existenziell sind. Sicherheit ist ein unsichtbares Gut – ihr Fehlen wird erst dann sichtbar, wenn Korrekturen nicht mehr möglich sind.


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